Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 13)

Dreizehnte Etappe vom NC4K von Voujärvi nach Kaamanen 269,34km 1.405hm 10:40:59Std.

Ein Tag voller kleiner Glücksmomente

Nach einer erholsamen Nacht und entspannenden Stunden in Sauna und Hottube starteten wir mit einem besonderen Highlight in den Tag, ein liebevoll gedeckter Frühstückstisch erwartete uns. Im Vergleich zu den sonst üblichen Mahlzeiten aus Tüten und Kekspackungen war dieses Frühstück ein echter Genuss. Die Gastgeberin hatte alles aufgeboten, was das Herz begehrt, und sogar frischen Kaffee serviert – und zwar aus einer richtigen Tasse! Wie sehr man solche scheinbar alltäglichen Dinge zu schätzen lernt, ist eine der wertvollen Erfahrungen dieser Reise. Die kleinen Freuden des Lebens bekommen eine ganz neue Bedeutung.

Obwohl ich gerne noch länger verweilt hätte, drängte Jörg schließlich zum Aufbruch. Wir packten unsere Sachen und verabschiedeten uns von der Gastgeberin, die uns mit einem Schmunzeln als „crazy boys“ bezeichnete und verabschiedete. 

Im Regen begaben wir uns auf die vorletzte lange Etappe nach Kaamanen. Glücklicherweise sollte das Wetter im Laufe des Tages besser werden. Wie gewohnt steuerten wir den nächsten Supermarkt an, trafen dort auf Guillaume und tauschten ein paar Worte, bevor wir weiterfuhren. Die Strecke führte uns entlang zahlreicher Seen und endloser Geraden, sodass wir gut vorankamen und viele Kilometer zurücklegten. Auch die etwas kürzeren Etappen kamen uns zugute.

Am frühen Abend erreichten wir schließlich den Campingplatz Kaamsen Kievari, wo uns eine geräumige Blockhütte erwartete. Dort trafen wir einen weiteren Bikepacker, der schon längere Zeit unterwegs war – bei schönem Wetter, das es tatsächlich auch gibt!

Nach einer erfrischenden Dusche widmeten wir uns unseren strapazierten Füßen. Die ständige Nässe hatte sie aufgeweicht und mit offenen, wunden Stellen versehen. Mit Zinksalbe und Blasenpflastern versuchten wir, Schlimmeres zu verhindern. Besonders Jörgs Füße waren stark in Mitleidenschaft gezogen, was großen Respekt verdient – seine Ausdauer unterstreicht, wie viel möglich ist, wenn man ein klares Ziel vor Augen hat.

Nach der Behandlung und einem Abendessen ließen wir den Tag ruhig ausklingen und gingen früh schlafen. Am nächsten Morgen stand die letzte lange Etappe bevor, auf der wir das achte und letzte Land unserer Reise, Norwegen, erreichen sollten. Doch zunächst hieß es: Gute Nacht! 

Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 12)

Zwölfte Etappe vom NC4K von Svartbyn nach Voujärvi 258,40km 1.667hm 11:12:59Std

Der Sprung nach Finnland und das vierte Gate

Das Ziel rückte langsam in greifbare Nähe. Heute stand uns ein besonderer Tag bevor, wir würden Schweden hinter uns lassen und das siebte Land unserer Reise, Finnland, erreichen. Obwohl das Wetter abermals wechselhaft war, versprach der Tag einen weiteren Höhepunkt – das letzte Gate in Rovaniemi und damit den vorletzten Stempel für unser Roadbook vor dem Nordkap.

Im Gegensatz zu den letzten Tagen mussten wir diesmal nicht lange auf die erste Pause warten. Bereits nach zehn Kilometern, in Överkalix, konnten wir im Einkaufscenter einkaufen und einen Kaffee genießen. Dort trafen wir auch auf zwei weitere Teilnehmer der Tour. Nach dieser kurzen Stärkung setzten wir unsere Fahrt Richtung finnische Grenze und Rovaniemi fort.

Kurz vor der Grenze legten wir noch einen Stopp an einer Tankstelle ein, um eine Kleinigkeit zu essen. Diese Pause erwies sich als Glücksgriff, denn wenig später zog ein heftiges Gewitter auf, das sogar dafür sorgte, dass wir kurzfristig im Dunkeln saßen. Nachdem das Unwetter vorübergezogen war, setzten wir unsere Fahrt fort und rollten schließlich nach Finnland hinein. Zunächst änderte sich kaum etwas, sodass wir unbeschwert weiter radelten.

Erst nach einer Weile fiel uns auf, dass wir in eine andere Zeitzone gewechselt waren – Finnland liegt in der Zeitzone CET+1, und so wurde uns eine Stunde „gemopst“.

Am späten Nachmittag war es dann endlich so weit, wir erreichten Rovaniemi, das vierte Gate und zugleich den Polarkreis. Es war ein unglaubliches Gefühl, mit dem Fahrrad so weit gekommen zu sein. Nach dem wohlverdienten Stempel für unser Roadbook luden wir den letzten Track der Tour auf unser Garmin – nun waren es tatsächlich nur noch rund 700 Kilometer bis zum Ziel am Nordkap. Dieser Gedanke war kaum zu fassen.

Obwohl der Weihnachtsmann vermutlich sogar zu Hause war – schließlich befanden wir uns ja in Rovaniemi, seiner offiziellen Residenz –, blieb uns leider erneut keine Zeit für einen kurzen Plausch mit ihm. Dabei hätte ich durchaus Gesprächsbedarf gehabt, denn rückblickend auf meine Kindheit fällt mir doch das ein oder andere Geschenk ein, das nicht ganz so ausgeliefert wurde, wie ich es mir damals gewünscht hatte. Es wäre also vielleicht an der Zeit gewesen, dem Weihnachtsmann persönlich die eine oder andere Rückmeldung zu geben.

Also setzten wir unsere Fahrt fort, nicht ohne die nächstgelegene Tankstelle zu plündern und machten uns auf die etwa 60 Kilometer bis nach Voujärvi. Auf diesem Abschnitt begleiteten uns nicht nur einige Rentiere, sondern auch die Sonne, die uns ein Stück des Weges wärmte. Die Unterkunft lag etwas abseits der Strecke und machte zunächst einen leicht unheimlichen Eindruck. Doch die freundliche Gastgeberin empfing uns herzlich, und wo sollte man besser in eine Sauna gehen als in Finnland? Sie hatte extra die Sauna und den Hottube für uns angeheizt – ein Angebot, das wir nicht ausschlagen konnten. So gönnten wir uns eine Stunde Entspannung in der Sauna und im Pool.

Am Abend planten wir die letzten drei Etappen unserer Reise. Es wurde immer klarer, das Nordkap ist zum Greifen nah – wir kommen!

Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 11)

Elfte Etappe vom NC4K. Von Svansele-Svartbyn 278,66km 2.038hm 11:54:52Std.

Regen, Überraschungen und die Gemeinschaft der Fahrer

Oh, welch Wunder, auch der elfte Tag begrüßte uns mit anhaltendem Regen. Die Worte von Fritz kamen mir in den Sinn: In solchen Situationen hilft nur harte Akzeptanz. Also akzeptierten wir das Wetter, schlüpften in unsere Regenklamotten und machten uns auf den Weg. Die nächste Einkaufsmöglichkeit sollte sich erst nach 130 Kilometern in Älvsbyn bieten – ein Umstand, der die Motivation bei strömendem Regen nicht gerade steigerte.

Doch bereits nach etwa 20 Kilometern, kurz vor Hornsträsk, erlebten wir eine unerwartete und überaus angenehme Überraschung. Während wir gerade einen kurzen Anstieg bewältigten, rief uns eine freundliche Dame mit unseren Namen zu: „Jörg und Ingo, wollt ihr einen Kaffee?“ Einen Moment lang waren wir irritiert – kannten wir sie? Mir persönlich war niemand in Schweden bekannt. Es stellte sich heraus, dass es sich um Erika handelte, die vor Jahren mit ihrem Mann nach Schweden ausgewandert war. Ihre Haustür lag direkt an der Strecke, und dank der Tracking-App wusste sie genau, wann wir vorbeikommen würden. Die Einladung kam wie gerufen: Ich konnte zwei köstliche Kaffees genießen, und auch Guillaume aus Frankreich gesellte sich zu unserer kleinen Runde.

Nach einem kurzen und herzlichen Plausch setzten wir unsere Fahrt in Richtung Älvsbyn fort. Auf dem weiteren Weg trafen wir wieder auf Fritz, und gemeinsam trotzten wir Wind und Wetter. Die Unterhaltung war angenehm, sodass die Kilometer wie im Flug vergingen. Irgendwann fuhr jeder wieder in seinem eigenen Tempo. Nach einer weiteren kurzen Pause und dem Ablegen der Regenkleidung setzte ich die Fahrt gemeinsam mit Jörg fort.

In Älvsbyn angekommen, waren sowohl unsere Rucksäcke als auch unsere Mägen leer. Wir plünderten den Supermarkt, füllten unsere Vorräte mit Gummibärchen, Keksen und weiteren Leckereien auf und machten uns anschließend auf die verbleibenden 150 Kilometer nach Svartbyn. In Morjärv stoppten wir nochmals in einem Supermarkt, um uns mit Proviant für das Abendessen und das Frühstück einzudecken.

Am Zielort in Svartbyn angekommen, erwartete uns ein schönes Zimmer und ein hilfsbereiter Gastgeber – und auch Fritz war wieder da. In einem kleinen Raum mit Waschmaschine und Heizlüfter versuchten wir, unsere nassen Klamotten und Schuhe zumindest einigermaßen zu trocknen.

Auf dem Zimmer planten wir die nächste Etappe nach Voujärvi. Zwei Highlights standen auf dem Programm: Zum einen sollten wir nach über 1.800 Kilometern Schweden verlassen und Finnland erreichen, zum anderen wartete in Rovaniemi das vierte Gate, an dem wir uns den vorletzten Stempel für unser Roadbook holen wollten.

Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 10)

Zehnte Etappe vom NC4K. Von Overhörnäs nach Svansele 293,42km 2.095hm 13:24:52Std.

Ein Tag voller Regen und Emotionen

Der Tag begann mit trübem und nasskaltem Wetter – ein starker Kontrast zur sonnigen Etappe des Vortags. Leider hielt der Regen den gesamten Tag über an. Glücklicherweise blieb die Temperatur mild, sodass die Nässe erträglich blieb; bei kälterem Wetter wäre die Fahrt sicherlich noch anstrengender ausgefallen.

Der Start in diesen Tag war für mich besonders emotional. Noch am Vorabend hatte ich neue Fotos unserer Hochzeit erhalten – ein Ereignis, das gerade einmal vier Wochen zurücklag. Beim Betrachten der Bilder wurde mir schmerzlich bewusst, wie sehr mir mein Schatz fehlte und wie weit entfernt ich momentan von ihr war. Der anhaltende Regen verstärkte meine gedrückte Stimmung zusätzlich. In diesem Moment konnte ich meine Gefühle nicht mehr zurückhalten: Ich musste einfach losweinen und ließ meinen Emotionen freien Lauf. Auch solche Augenblicke gehören zu einem Abenteuer wie diesem dazu – es ist oft eine wahre Achterbahn der Gefühle.

Unsere Route führte uns heute über mehr als 100 Kilometer, bevor wir in Fredrika endlich einen kleinen Laden für eine wohlverdiente Kaffeepause und zum Auffüllen unserer Vorräte fanden. Ein besonderes Highlight war das Gespräch mit der Verkäuferin, die vor Jahren aus der Schweiz nach Schweden ausgewandert war. So konnten wir uns auf Deutsch unterhalten. Nach einem stärkenden Kaffee, einem leckeren Sandwich und gut gefüllten Taschen setzten wir unsere Fahrt fort.

Doch die nächste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten: Eine 11 Kilometer lange Baustelle mit sehr schwierigem Untergrund verlangte uns einiges ab. Da Fritz Meinecke bereits vor uns dort durchgefahren war und ein Foto von seinem platten Reifen gepostet hatte, waren wir gewarnt. Um eine Panne zu vermeiden, fuhren wir im Schritttempo durch die Baustelle. Die Passage war extrem anstrengend und zog sich gefühlt ewig, aber letztlich kamen wir ohne Zwischenfälle hindurch.

Im weiteren Verlauf der Strecke erwarteten uns lange, gerade Straßen und endlose Wälder. Das Wetter besserte sich weiterhin nicht, sodass wir die verbleibenden Kilometer bis zur Unterkunft eher routiniert hinter uns brachten. Nach einem kurzen Stopp zum Einkaufen erreichten wir schließlich Svansele, wo uns ein schönes Zimmer mit eigenem Bad erwartete. Eine Überraschung gab es noch: Fritz war unser Zimmernachbar. Wir kamen ins Gespräch, tauschten unsere bisherigen Erlebnisse aus und waren uns einig, dass der Regen langsam genug war – leider hatte die Natur andere Pläne, wie wir noch erfahren sollten.

Nach dem Plausch zogen wir uns zurück, planten die Route für die nächste Etappe nach Svartbyn (ca. 280 km), und wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Fritz das gleiche Ziel gewählt hatte. Nach der üblichen Routine – Duschen, Wäsche und Abendessen – fielen wir erschöpft ins Bett und die Lichter gingen buchstäblich aus.