Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 9)

Neunte Etappe vom NC4K von Delsbo nach Overhörnäs 292,46km 3.093hm 12:47:02Std.

Am neunten Tag unserer Reise starteten wir wie gewohnt sehr früh in den Tag. Nach dem Aufstehen folgten die vertrauten Morgenrituale: Ein stärkendes Frühstück, Zähneputzen und das sorgfältige Verpacken all unserer Ausrüstung. Besonders angenehm war erneut der Komfort der Unterkunft – dank der vorhandenen Steckdosen konnten wir sämtliche elektronischen Geräte über Nacht aufladen, sodass der Einsatz unserer Powerbank kaum notwendig war.

Der Morgen präsentierte sich noch etwas trüb und neblig, was der umliegenden Landschaft jedoch eine ganz besondere, fast mystische Atmosphäre verlieh. Im weiteren Verlauf entwickelte sich das Wetter jedoch zu einem wahren Glücksfall: Ein schöner, sonniger Tag auf dem Rad stand uns bevor.

Die heutige Strecke sollte sich allerdings als herausfordernd erweisen. Ohne einen einzigen richtigen Berg zu erklimmen, sammelten wir auf 292 Kilometern dennoch über 3.000 Höhenmeter – ein ständiges Auf und Ab prägte die Etappe. Die einzelnen Abschnitte waren zudem lang und zum Teil etwas monoton. 

Dennoch sorgte das angenehme Wetter dafür, dass die Anstrengung leichter zu ertragen war. Außerdem begegneten uns unterwegs immer wieder Rentiere, die für willkommene Abwechslung und einige schöne Momente sorgten.

Zwischendurch gönnten wir uns ein leckeres Eis, und auch der Wind spielte auf unserer Seite mit, sodass wir zügig vorankamen. Kurz vor Overhörnäs legten wir noch einen Stopp in einem Coop-Supermarkt ein, um unsere Vorräte aufzufüllen. Mit vollgepacktem Rucksack fuhren wir bei Sonnenschein die letzten Kilometer bis zu unserer Unterkunft.

Die Unterkunft lag wieder etwas abseits der Route. Wir bezogen ein schönes Zimmer mit Gemeinschaftsküche und Bad. Nach einer erfrischenden Dusche ließ ich mir das Abendessen auf der Terrasse schmecken, während die letzten Sonnenstrahlen des Tages die Szenerie beleuchteten.

Anschließend widmeten wir uns der Planung für die nächste Etappe. Das nächste Ziel lautete Svansele – und es zeichnete sich bereits ab, dass uns am kommenden Tag eine besondere fahrtechnische Herausforderung erwarten würde.

Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 8)

Achte Etappe vom NC4K von Söderbärke nach Delsbo 291,55km 2.665hm 12:45:00Std.

Halbzeit und Regen

Der gestrige Tag markierte einen ganz besonderen Moment unserer Reise: Wir erreichten die 2.000 Kilometer-Marke und feierten damit die Halbzeit. Dieses Gefühl war schlichtweg überwältigend – niemals zuvor bin ich eine so lange Strecke mit dem Rad gefahren. Doch die Freude wurde schnell von der Erkenntnis begleitet, dass noch einmal etwa 2.000 Kilometer vor uns lagen. Die Tour war also erst zur Hälfte geschafft.

Mit frischem Elan starteten wir in den achten Tag, entschlossen, die nächsten Kilometer bis zum Tagesziel Delsbo zu bewältigen. Die Unterkunft für die Nacht hatten wir am Vorabend problemlos gebucht. Nach kurzer Recherche fanden wir eine passende Übernachtungsmöglichkeit, die sich direkt an unserer Route befand und somit ideal für unsere Planung war.

Der Morgen zeigte sich jedoch wenig einladend: Starker Regen begleitete unseren Start und stellte uns vor die erste Herausforderung des Tages. Doch das Wetter konnte unsere Motivation nicht bremsen. Wir packten unser Equipment sorgfältig, ölten die Kette und machten uns – trotz des strömenden Regens – auf den Weg.

Die Suche nach Kaffee und einem Supermarkt entwickelte sich zur nächsten Prüfung, denn erst nach etwa 80 Kilometern konnten wir eine Pause einlegen und uns versorgen. Der restliche Tag verlief zufriedenstellend, auch wenn der Regen nicht nachließ und uns stundenlang begleitete. Mit der Zeit gewöhnte man sich jedoch an die Nässe – ist man einmal komplett durchnässt, spielt das Wetter irgendwann keine große Rolle mehr.

In Delsbo angekommen, führte eine kurze Schotterpassage direkt zu unserer Unterkunft. Dort erwartete uns ein schönes Quartier mit ausgesprochen herzlichen Gastgebern. Kaum angekommen, wurden wir direkt zu einem gehopften Kaltgetränk eingeladen – das wir jedoch zunächst ausschlugen, da die nassen Sachen dringend gewaschen werden mussten. Die Verfügbarkeit einer Waschmaschine stellte sich als echter Luxus nach den bisherigen Tagen heraus.

Später, als ich in der Bar der Scheune nach Zeitungspapier für unsere Schuhe fragte, gab es dann doch noch das angebotene Getränk. Die Gastgeber zeigten großes Interesse und erkundigten sich neugierig nach unserer Tour. Offenbar war bereits am Vorabend ein weiterer Teilnehmer bei ihnen eingekehrt. Auch hier begegneten uns die üblichen ungläubigen Blicke, als wir unser Vorhaben schilderten.

Nach einem angenehmen Gespräch ging es schließlich ins Bett. Doch bevor die wohlverdiente Nachtruhe begann, schauten wir uns noch die Route und die Unterkunft für die nächste Etappe an. Das nächste Ziel lautete Overhörnäs. Es blieb spannend, wie sich Wetter und Strecke am kommenden Tag präsentieren würden.

Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 7)

Siebte Etappe NC4K von Gränna nach Söderbärke 313,90km 2.274hm 12:53:48Std.

Nach einer anspruchsvollen Strecke erreichten wir gestern Abend Gränna. Obwohl der Ort mit seinem Sonnenschein und den zahlreichen kleinen Geschäften zum Verweilen einlud, blieb uns leider keine Zeit für eine ausführlichere Erkundung. Aber genau solche Kompromisse gehören zu einer Tour wie dieser dazu: Wenn der Zeitplan eng ist und Schlaf sowie Regeneration im Vordergrund stehen, müssen Sightseeing und Genussmomente manchmal warten.

Ab diesem Abschnitt richteten wir die Länge unserer Tagesetappen gezielt nach den verfügbaren Unterkünften aus. Wir planten Strecken zwischen 280 und 320 Kilometern und suchten dabei nach Übernachtungsmöglichkeiten, die möglichst nah an unserer Route lagen. Für den heutigen Tag bedeutete das: Die Etappe führte uns bis nach Söderbärke – etwas mehr als 300 Kilometer lagen vor uns.

Die Abschnitte auf dem Garmin wurden nun deutlich länger, bevor ein neuer Abbiegehinweis kam. Das führte dazu, dass wir immer häufiger durch dünn besiedelte Gegenden fuhren, in denen die Chancen auf einen Kaffee am Morgen oder einen Supermarktbesuch ziemlich gering waren. An diesem Tag mussten wir über 80 Kilometer zurücklegen, ehe wir die Möglichkeit für eine Pause mit Kaffee und Einkauf fanden. Glücklicherweise hatten wir uns am Vorabend ausreichend mit Proviant eingedeckt und konnten so auch längere, versorgungsarme Abschnitte problemlos überstehen.

Die Strecke selbst führte uns vorbei an endlosen Wäldern, großen Seen und den für Schweden so typischen roten Holzhäusern. Auch der ein oder andere Regenschauer ließ sich nicht vermeiden, doch mittlerweile beeindruckten uns solche Wetterkapriolen kaum noch.

Eine besondere Motivation lieferten die vielen aufmunternden Nachrichten und Anfeuerungen aus der Heimat, die immer wieder auf meinem Garmin aufleuchteten. Es war beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen meine Tour verfolgten und mitfieberten – darunter sogar Freunde von Freunden, denen ich bisher noch nie begegnet war. Diese Unterstützung allein machte das Aufgeben unmöglich.

Die letzten Kilometer des Tages zogen sich in die Länge, da der Wind auffrischte und wir immer wieder kleinere Anstiege zu bewältigen hatten. Dennoch konnten wir die beeindruckende Natur und die besondere Stille genießen, die nur gelegentlich vom Zwitschern der Vögel unterbrochen wurde. Kurz vor Söderbärke wurde die Landschaft noch einmal besonders reizvoll: Weite Ausblicke über Wiesen und spiegelglatte Seen entschädigten uns für die Anstrengungen des Tages.

Nach einem wohlverdienten Kaffee und einem Einkauf ging es schließlich weiter in Richtung Unterkunft – oft über kilometerlange, gerade Strecken dem Horizont entgegen. In Söderbärke wurden wir herzlich von unseren Gastgebern empfangen, die uns alles zeigten und unsere Räder sicher in der Garage unterbrachten.

Nach dem vertrauten Ritual aus Duschen, Wäsche waschen und Essen widmeten wir uns der Planung der kommenden Etappe und suchten eine geeignete Schlafmöglichkeit. Das Ziel für den nächsten Tag stand ebenfalls schon fest: Es sollten knapp 300 Kilometer bis nach Delsbo werden.

Schlafplatz unserer Fahrräder

Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 6)

Sechste Etappe vom NC4K von Degeberga nach Gränna 303,55km 11:51:46Std.

Die erste Nacht in Schweden und die Etappe nach Gränna

Die erste Nacht in Schweden war zwar kurz, aber dennoch konnten wir gut schlafen. Nach dem üblichen Frühstück, das diesmal aus den Resten des Abendessens bestand, starteten wir bereits gegen 6:00 Uhr wieder auf unsere Räder. Für diesen Tag hatten wir uns einiges vorgenommen: Über 300 Kilometer lagen vor uns, mit dem Ziel Gränna, wo wir das dritte Gate erreichen wollten. Allerdings war uns bereits klar, dass wir keinen Stempel mehr erhalten würden, da wir erst am Abend dort ankommen würden und die Touristinfo dann schon geschlossen hätte. Das stellte jedoch kein Problem dar, denn der Veranstalter konnte dank GPS-Ortung nachvollziehen, dass wir das Gate tatsächlich passiert hatten.

Wie auch an den vorherigen Tagen mussten wir zunächst etwa 60 Kilometer absolvieren, bevor wir die Gelegenheit fanden, einen Kaffee zu trinken und Lebensmittel einzukaufen. Der Tag bescherte uns bestes Wetter: Rückenwind und Sonnenschein sorgten dafür, dass wir zügig vorankamen. Die Strecke führte uns vorbei an zahlreichen roten Schwedenhäusern, durch endlose Wälder und an einer Tankstelle mit dem bemerkenswerten Namen „Ingo“.

Zu den landschaftlichen Höhepunkten zählten die ersten großen Seen, unter anderem der Vidösternsee und der imposante Vätternsee, an dessen Ufer auch unser Tagesziel Gränna lag. Ich stellte mir vor, wie entspannt es wäre, einfach gemütlich am See entlang zu rollen – doch diese Hoffnung war verfrüht. Kurz vor Gränna führte die Strecke noch einmal steil bergauf, sodass wir ordentlich Höhenmeter sammeln mussten.

Gränna begrüßte uns schließlich mit Sonnenschein und vielen hübschen kleinen Läden. Überall wurden die berühmten Zuckerstangen angeboten, für die der Ort bekannt ist. Leider blieb keine Zeit für einen ausgedehnten Bummel oder Sightseeing. Stattdessen besuchten wir noch schnell den Supermarkt, wo wir auf einige interessierte Deutsche trafen, die neugierig nach unserer Herkunft und unserem weiteren Weg fragten. Unsere Erzählungen sorgten für großes Staunen.

Voll ausgerüstet machten wir uns auf den Weg zur Unterkunft. Dort erwartete uns ein kleines, einladendes Schwedenhaus mit herrlichem Blick auf den See und den Sonnenuntergang. Die Gastgeberin war ausgesprochen herzlich, zeigte uns alles und konnte kaum glauben, was wir noch vorhatten. Nach einer erfrischenden Dusche und dem Waschen der Wäsche ließ ich mir das Abendessen auf der Terrasse schmecken – es gab wie so oft Wraps, dazu etwas Obst und ein süßes Stückchen.

Der Blick auf den funkelnden See und die angenehme Ruhe nach einem langen Tag sorgten für einen gelungenen Abschluss. Die Gedanken schweiften bereits zu den kommenden Etappen und den bevorstehenden Herausforderungen. Nach einem kurzen Gespräch über die Route für den nächsten Tag ließen wir den Abend entspannt ausklingen und genossen die friedliche Atmosphäre des kleinen Schwedenhauses.

Gate Gränna