„You are an Ironman“

Text von Bastian Jung

Eine Langdistanz, eine Herausforderung und viele Stunden Arbeit trennen einen Triathleten davon diesen Satz zu hören. Zwar ist auch immer der Weg das Ziel, doch der Einlauf auf den Römerberg nach 3,8km Schwimmen, 180km Radfahren und 42,2km Laufen hat etwas ganz Besonderes an sich.

Beim diesjährigen 21. Mainova Ironman in Frankfurt stellten sich gleich vier unserer Trias dieser Herausforderung. Dabei waren: Christoph Hartmüller, Brian Kowalke, Ralf Murken und Bastian Jung. Darüber hinaus starteten in diesem Jahr erstmalig die Profifrauen alleine also war es wohl eher ein Fe-Male als ein Ironman.

Wie immer begann der lange Tag am Langener Waldsee. Bereits um 05:30 Uhr herrschte reges treiben in der Wechselzone 1, eine gewisse Nervosität aber auch positive Anspannung lag bei kühlen Morgentemperaturen in der Luft. Nachdem die Wechselzone durch jeden Athleten individuell eingerichtet wurde, Luft auf die Reifen gegeben wurde, fanden sich alle in Ihren avisierten Schwimmzeitzonen für den Rolling Start ein. Noch 20 unerträgliche Minuten bis zum Start, doch durch die Moderation und den „Iceland-Clap“ wurden auch diese überstanden. Der Startschuss für die Frauen fiel pünktlich um 06:20 Uhr und für die Agegrouper im Rolling Start Verfahren um 06:40 Uhr.

Um den Rennverlauf ein wenig nachvollziehen zu können, hier ein paar O-Töne unserer Trias:

Christoph:

Der Begriff Ironman hat bei meiner 2. Langdistanz eine neue Definition bekommen. Denn nach dem Schwimmeinstieg bin ich in etwas spitzes getreten/gesprungen, womit ich mir den Fuß aufgeschnitten habe. In der 1. Wechselzone habe ich das Unheil beim Sockenanziehen gesehen und schon übles geahnt, aber: rauf aufs Rad und probieren. Durch das Fixieren des Fußes konnte ich relativ gut fahren, wobei ich auf der 2. Radrunde auch wegen des Windes gut gelitten habe. In der 2. Wechselzone habe ich den blutüberströmten Socken gesehen und habe mich auf einen harten Marathon eingestellt. Die ersten 15km konnte ich noch unter Schmerzen durchziehen, doch da mittlerweile auch mein Schuh äußerlich komplett rot gefärbt war, habe ich mir die Wunde vom DRK säubern und verbinden lassen. Gegen die Empfehlung der Sanitäter das Rennen nicht fortzusetzen, habe ich mich ab diesem Zeitpunkt nur noch an den Römer gequält, um dann dort direkt im Krankenhaus versorgt zu werden. Es war eine Erfahrung, die ich nicht mehr brauche, die mich aber trotzdem stolz gemacht hat, das Ding durchgezogen zu haben!“

Brian:

Die Tage vor dem Rennen, konnte ich keine Kohlenhydrate mehr sehen. Nicht nervös, nicht angespannt, aber die Gedanken an den bevorstehenden Race Day sind da. Die Nacht vor dem Rennen kurz, aber ich bin fokussiert. Die Automatismen laufen, die Anspannung steigt, der Neo ist an, die Brille fest und es geht ins Wasser – endlich! Orientierung gegen die Sonne, schwierig. Aus 3,8 werden 4,0 km. Bloß den Neo vorsichtig ausziehen, um mir nicht endgültig den Zehnagel abzureißen. Der erste Wechsel dauert lange. Die Angst vor Pannen ist vorbei, sehe aber viele Athleten mit technischen Problemen. Wind aus Südwest – Ich fliege über den Asphalt. Nicht überzocken. Bad Vilbel, Stimmungsnest, meine ersten mir bekannten Supporter und Freunde. Ich fühle mich gut, ab km120 zähle ich in 10km Schritten runter. Länger saß ich noch nie auf dem Rad, die letzten km geht es bergab. Dixi-stopp in WZ 2, ich laufe los und werde mit einem Kia-Ora begrüßt. Keine Gehpausen bis km 20, die nächsten 10km sind hart. Auf und Ab der Gefühle, immer wieder meine Freunde, Familie, die TG-Kollegen, die mich nach vorne treiben. Was für ein Support! Auf den letzten abwechselnd gute und schwierige km. Irgendwie schmerzt alles. Die letzten 2 noch einmal alles zusammennehmen, Zieleinlauf, Bombenstimmung, Küsse für Frau, Sohn und Mutter. Triathlon Legende und Freund Uwe hängt mir die Medaille um und ich bekomme das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht“

Ralf:

Es wird einige überraschen, aber bei mir ging es nicht um die WM-Qualifikiation, EM-Titel oder ähnliches, sondern nur um die Beantwortung der Frage, ob ich es schaffe oder nicht die Sache zu Ende zu bringen. Im Vergleich zum letzten meiner Altersklasse (14:59) sogar mit komfortablem Zeitpolster von 17 Minuten (14:42). Auf der zweiten Radrunde musste ich leider hier und da den Schongang herausnehmen, da die Wetterauer Windmaschinen ordentlich bliesen. Auf der Laufstrecke wurde viel Energie frei durch frenetisches Anfeuern..

Mein Dank geht an:

Hanna, Nicole, Jochen, Ursula, Christian, Marcus, Simone, Gianni, Olaf, Elke, Uwe, Ingo, Hans-Peter, Sybille, Andrea, Wolfgang, Hannah, Eva, Morten, Bernd, Rudolf, Julian, Conny, Rainer, Frank, Heike und alle die ich unzulässigerweise vergessen habe…

Haken dran, weiter geht’s:

Mittwoch, 19.7., 20 Uhr,. Keine 15h Stunden, sondern etwa 2 ½: Varieté 30 Jahre Ham’mer am Strand mit Monsieur Brezelberger (Magic Comedy) und Silas Pfund (Einradartistik). Keine 660€ Mitmachgebühr sondern bloß 15.- €“

Bastian:

Meine erste Langdistanz war von Höhen und Tiefen geprägt. Das Schwimmen bereitete mir vielmehr Probleme als ich im Vorfeld erwartet hätte. Nach der ersten Wende verlor meine Gruppe vollständig die Orientierung und wir schwammen zur falschen Boje und damit 200m mehr. Der erste Landgang bescherte aufgrund der vielen TG Tria Farben, die einen anschrien Aufwind. Apropos Wind, zwar war das Wetter kühl und angenehm aber der Wind forderte seinen Tribut auf dem Rad. Die erste Stunde fror ich in meinen nassen Klamotten und die Beine wurden einfach nicht warm. Bei Kilometer 120 auf der 2. Radrunde hatte ich dann meinen persönlichen Tiefpunkt. Der rechte innere Oberschenkel krampfte schon ein wenig und ich hatte erste Zweifel, ob meine Angstdisziplin Marathon überhaupt noch möglich ist. Nach der WZ 2 liefen die ersten 10km überraschend locker und leicht. Zwar war der Wind mainabwärts immer noch hart aber das durchgängige Anfeuern von unseren zahlreichen Vereinsmitgliedern gab einem den nötigen Kick, um letztendlich verdient auf den Römerberg abbiegen zu dürfen. Dort auf den roten Teppich einzulaufen, ein unbeschreibliches Gefühl, welches ich auch herausschreien musste.“

Am Ende konnten alle den Satz „You are an Ironman“ wohlverdient hören.

Christoph Hartmüller in 11:38:26
Brian Kowalke in 11:51:47
Bastian Jung in 12:05:41
Ralf Murken in 14:42:51

Absolut bemerkenswert war die zahlreiche Unterstützung am Streckenrand, die uns alle an diesem Tag ins Ziel getragen hat. Vielen Dank für den tollen und lautstarken Support an Elke, Hannah, Simone, Sybille, Theresa, Gianni, Hans-Peter, Ingo, Jörg, Markus, Olaf, Torsten und Uwe und alle die wir eventuell vergessen haben sollten.