Vierzehnte Etappe vom NC4K von Kaamanen nach Repvåg 273,21km 2.069hm 11:25:29Std.
Das letzte große Stück
Der vorletzte Tag unserer unglaublichen Reise von Norditalien bis ans Ende von Europa begann mit gemischten Gefühlen – wirklich fassen konnte ich das alles noch nicht. Doch wie gewohnt starteten wir mit unserem altbekannten Ritual in den Tag: Die Reste von gestern wurden zum Frühstück gegessen, die Taschen sorgfältig gepackt und dann ging es wieder aufs Rad. Heute lagen 273 Kilometer vor uns und das große Ziel, Norwegen zu erreichen, war in greifbarer Nähe.
Unsere Füße hatten wir nach den Strapazen der letzten Tage so gut wie möglich gepflegt und verklebt, damit wir überhaupt weiterfahren konnten. Die Wettervorhersage für die letzten Etappen war erfreulich gut, sodass wir die Regenklamotten vermutlich nicht mehr brauchen würden – höchstens noch als Kälteschutz.
Auch landschaftlich zeigte sich eine Veränderung: Weniger Wald, stattdessen mehr Felsen und weite Wiesen prägten das Bild. Auf einem Campingplatz gönnten wir uns den ersten Kaffee des Tages, immer wieder ein Highlight und eine Wohltat – eine einfache Tasse Kaffee kann tatsächlich ein Glücksgefühl auslösen.
Nach gut 70 Kilometern war es dann soweit, Norwegen empfing uns mit Sonnenschein, und das letzte Land unserer Tour war erreicht. Ab diesem Zeitpunkt gab es nur noch ein Ziel – das Nordkap. Schon beim Gedanken daran bekam ich Gänsehaut und Tränen in die Augen; so weit gekommen zu sein und dem Ziel so nah zu sein, war ein unbeschreibliches Gefühl. Einerseits waren wir unglaublich stolz auf unsere Leistung, andererseits rückte damit auch das Ende der Reise immer näher, was gemischte Gefühle bei mir auslöste.
Wir ließen das herrliche Wetter, die neuen Eindrücke und das wunderschöne Land auf uns wirken. Kilometer um Kilometer fuhren wir an endlosen Fjorden entlang, passierten kleine Fischerdörfer und sahen sogar Rentiere. Die ersten Schilder mit der Aufschrift „Nordkap“ zeigten, dass wir uns wirklich auf den finalen Kilometern befanden. Das Wetter zauberte uns ein Lächeln ins Gesicht und wir genossen jeden einzelnen Kilometer.
Nach den üblichen Stopps an Tankstellen und Supermärkten ging es munter weiter in Richtung Unterkunft. Man spürte deutlich, wie weit im Norden wir bereits waren – die Sonne ging sehr spät unter und sehr früh wieder auf. Wir hatten beschlossen, etwa 80 Kilometer vor dem Nordkap noch eine Nacht zu verbringen, um dann am 14. Tag, wie geplant, unser Ziel zu erreichen.
In Repvåg hatten wir ein schönes Zimmer mit großartigem Blick auf den Fjord gebucht. Dort angekommen hieß es wieder: Betten beziehen – eine Routine, die wir in Schweden und Finnland fast jeden Abend gepflegt hatten – und anschließend duschen und die Wäsche waschen, damit wir ordentlich am Nordkap ankommen konnten.
Auch an diesem Abend erreichten mich wieder viele motivierende Nachrichten. Zusammen mit dem schönen Wetter ließen sie die schlechten Tage schnell in den Hintergrund rücken. Wir gönnten uns einen leckeren Wrap und etwas Gebäck zum Abendessen und genossen den Abend in vollen Zügen. Das Land war durch anhaltende Dämmerstimmung in ein unglaubliches Licht gerückt.

