Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 8)

Achte Etappe vom NC4K von Söderbärke nach Delsbo 291,55km 2.665hm 12:45:00Std.

Halbzeit und Regen

Der gestrige Tag markierte einen ganz besonderen Moment unserer Reise: Wir erreichten die 2.000 Kilometer-Marke und feierten damit die Halbzeit. Dieses Gefühl war schlichtweg überwältigend – niemals zuvor bin ich eine so lange Strecke mit dem Rad gefahren. Doch die Freude wurde schnell von der Erkenntnis begleitet, dass noch einmal etwa 2.000 Kilometer vor uns lagen. Die Tour war also erst zur Hälfte geschafft.

Mit frischem Elan starteten wir in den achten Tag, entschlossen, die nächsten Kilometer bis zum Tagesziel Delsbo zu bewältigen. Die Unterkunft für die Nacht hatten wir am Vorabend problemlos gebucht. Nach kurzer Recherche fanden wir eine passende Übernachtungsmöglichkeit, die sich direkt an unserer Route befand und somit ideal für unsere Planung war.

Der Morgen zeigte sich jedoch wenig einladend: Starker Regen begleitete unseren Start und stellte uns vor die erste Herausforderung des Tages. Doch das Wetter konnte unsere Motivation nicht bremsen. Wir packten unser Equipment sorgfältig, ölten die Kette und machten uns – trotz des strömenden Regens – auf den Weg.

Die Suche nach Kaffee und einem Supermarkt entwickelte sich zur nächsten Prüfung, denn erst nach etwa 80 Kilometern konnten wir eine Pause einlegen und uns versorgen. Der restliche Tag verlief zufriedenstellend, auch wenn der Regen nicht nachließ und uns stundenlang begleitete. Mit der Zeit gewöhnte man sich jedoch an die Nässe – ist man einmal komplett durchnässt, spielt das Wetter irgendwann keine große Rolle mehr.

In Delsbo angekommen, führte eine kurze Schotterpassage direkt zu unserer Unterkunft. Dort erwartete uns ein schönes Quartier mit ausgesprochen herzlichen Gastgebern. Kaum angekommen, wurden wir direkt zu einem gehopften Kaltgetränk eingeladen – das wir jedoch zunächst ausschlugen, da die nassen Sachen dringend gewaschen werden mussten. Die Verfügbarkeit einer Waschmaschine stellte sich als echter Luxus nach den bisherigen Tagen heraus.

Später, als ich in der Bar der Scheune nach Zeitungspapier für unsere Schuhe fragte, gab es dann doch noch das angebotene Getränk. Die Gastgeber zeigten großes Interesse und erkundigten sich neugierig nach unserer Tour. Offenbar war bereits am Vorabend ein weiterer Teilnehmer bei ihnen eingekehrt. Auch hier begegneten uns die üblichen ungläubigen Blicke, als wir unser Vorhaben schilderten.

Nach einem angenehmen Gespräch ging es schließlich ins Bett. Doch bevor die wohlverdiente Nachtruhe begann, schauten wir uns noch die Route und die Unterkunft für die nächste Etappe an. Das nächste Ziel lautete Overhörnäs. Es blieb spannend, wie sich Wetter und Strecke am kommenden Tag präsentieren würden.

Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 7)

Siebte Etappe NC4K von Gränna nach Söderbärke 313,90km 2.274hm 12:53:48Std.

Nach einer anspruchsvollen Strecke erreichten wir gestern Abend Gränna. Obwohl der Ort mit seinem Sonnenschein und den zahlreichen kleinen Geschäften zum Verweilen einlud, blieb uns leider keine Zeit für eine ausführlichere Erkundung. Aber genau solche Kompromisse gehören zu einer Tour wie dieser dazu: Wenn der Zeitplan eng ist und Schlaf sowie Regeneration im Vordergrund stehen, müssen Sightseeing und Genussmomente manchmal warten.

Ab diesem Abschnitt richteten wir die Länge unserer Tagesetappen gezielt nach den verfügbaren Unterkünften aus. Wir planten Strecken zwischen 280 und 320 Kilometern und suchten dabei nach Übernachtungsmöglichkeiten, die möglichst nah an unserer Route lagen. Für den heutigen Tag bedeutete das: Die Etappe führte uns bis nach Söderbärke – etwas mehr als 300 Kilometer lagen vor uns.

Die Abschnitte auf dem Garmin wurden nun deutlich länger, bevor ein neuer Abbiegehinweis kam. Das führte dazu, dass wir immer häufiger durch dünn besiedelte Gegenden fuhren, in denen die Chancen auf einen Kaffee am Morgen oder einen Supermarktbesuch ziemlich gering waren. An diesem Tag mussten wir über 80 Kilometer zurücklegen, ehe wir die Möglichkeit für eine Pause mit Kaffee und Einkauf fanden. Glücklicherweise hatten wir uns am Vorabend ausreichend mit Proviant eingedeckt und konnten so auch längere, versorgungsarme Abschnitte problemlos überstehen.

Die Strecke selbst führte uns vorbei an endlosen Wäldern, großen Seen und den für Schweden so typischen roten Holzhäusern. Auch der ein oder andere Regenschauer ließ sich nicht vermeiden, doch mittlerweile beeindruckten uns solche Wetterkapriolen kaum noch.

Eine besondere Motivation lieferten die vielen aufmunternden Nachrichten und Anfeuerungen aus der Heimat, die immer wieder auf meinem Garmin aufleuchteten. Es war beeindruckend zu sehen, wie viele Menschen meine Tour verfolgten und mitfieberten – darunter sogar Freunde von Freunden, denen ich bisher noch nie begegnet war. Diese Unterstützung allein machte das Aufgeben unmöglich.

Die letzten Kilometer des Tages zogen sich in die Länge, da der Wind auffrischte und wir immer wieder kleinere Anstiege zu bewältigen hatten. Dennoch konnten wir die beeindruckende Natur und die besondere Stille genießen, die nur gelegentlich vom Zwitschern der Vögel unterbrochen wurde. Kurz vor Söderbärke wurde die Landschaft noch einmal besonders reizvoll: Weite Ausblicke über Wiesen und spiegelglatte Seen entschädigten uns für die Anstrengungen des Tages.

Nach einem wohlverdienten Kaffee und einem Einkauf ging es schließlich weiter in Richtung Unterkunft – oft über kilometerlange, gerade Strecken dem Horizont entgegen. In Söderbärke wurden wir herzlich von unseren Gastgebern empfangen, die uns alles zeigten und unsere Räder sicher in der Garage unterbrachten.

Nach dem vertrauten Ritual aus Duschen, Wäsche waschen und Essen widmeten wir uns der Planung der kommenden Etappe und suchten eine geeignete Schlafmöglichkeit. Das Ziel für den nächsten Tag stand ebenfalls schon fest: Es sollten knapp 300 Kilometer bis nach Delsbo werden.

Schlafplatz unserer Fahrräder

Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 6)

Sechste Etappe vom NC4K von Degeberga nach Gränna 303,55km 11:51:46Std.

Die erste Nacht in Schweden und die Etappe nach Gränna

Die erste Nacht in Schweden war zwar kurz, aber dennoch konnten wir gut schlafen. Nach dem üblichen Frühstück, das diesmal aus den Resten des Abendessens bestand, starteten wir bereits gegen 6:00 Uhr wieder auf unsere Räder. Für diesen Tag hatten wir uns einiges vorgenommen: Über 300 Kilometer lagen vor uns, mit dem Ziel Gränna, wo wir das dritte Gate erreichen wollten. Allerdings war uns bereits klar, dass wir keinen Stempel mehr erhalten würden, da wir erst am Abend dort ankommen würden und die Touristinfo dann schon geschlossen hätte. Das stellte jedoch kein Problem dar, denn der Veranstalter konnte dank GPS-Ortung nachvollziehen, dass wir das Gate tatsächlich passiert hatten.

Wie auch an den vorherigen Tagen mussten wir zunächst etwa 60 Kilometer absolvieren, bevor wir die Gelegenheit fanden, einen Kaffee zu trinken und Lebensmittel einzukaufen. Der Tag bescherte uns bestes Wetter: Rückenwind und Sonnenschein sorgten dafür, dass wir zügig vorankamen. Die Strecke führte uns vorbei an zahlreichen roten Schwedenhäusern, durch endlose Wälder und an einer Tankstelle mit dem bemerkenswerten Namen „Ingo“.

Zu den landschaftlichen Höhepunkten zählten die ersten großen Seen, unter anderem der Vidösternsee und der imposante Vätternsee, an dessen Ufer auch unser Tagesziel Gränna lag. Ich stellte mir vor, wie entspannt es wäre, einfach gemütlich am See entlang zu rollen – doch diese Hoffnung war verfrüht. Kurz vor Gränna führte die Strecke noch einmal steil bergauf, sodass wir ordentlich Höhenmeter sammeln mussten.

Gränna begrüßte uns schließlich mit Sonnenschein und vielen hübschen kleinen Läden. Überall wurden die berühmten Zuckerstangen angeboten, für die der Ort bekannt ist. Leider blieb keine Zeit für einen ausgedehnten Bummel oder Sightseeing. Stattdessen besuchten wir noch schnell den Supermarkt, wo wir auf einige interessierte Deutsche trafen, die neugierig nach unserer Herkunft und unserem weiteren Weg fragten. Unsere Erzählungen sorgten für großes Staunen.

Voll ausgerüstet machten wir uns auf den Weg zur Unterkunft. Dort erwartete uns ein kleines, einladendes Schwedenhaus mit herrlichem Blick auf den See und den Sonnenuntergang. Die Gastgeberin war ausgesprochen herzlich, zeigte uns alles und konnte kaum glauben, was wir noch vorhatten. Nach einer erfrischenden Dusche und dem Waschen der Wäsche ließ ich mir das Abendessen auf der Terrasse schmecken – es gab wie so oft Wraps, dazu etwas Obst und ein süßes Stückchen.

Der Blick auf den funkelnden See und die angenehme Ruhe nach einem langen Tag sorgten für einen gelungenen Abschluss. Die Gedanken schweiften bereits zu den kommenden Etappen und den bevorstehenden Herausforderungen. Nach einem kurzen Gespräch über die Route für den nächsten Tag ließen wir den Abend entspannt ausklingen und genossen die friedliche Atmosphäre des kleinen Schwedenhauses.

Gate Gränna

Meine Reise von Rovereto ans Nordkap beim NC4K 2025 (Tag 5)

Fünfte Etappe vom NC4K von Fürstenhagen nach Degeberga mit Fährfahrt von Swinemünde nach Ystad 192km, 1124hm, 07:12:48Std.

Der Sprung nach Skandinavien

Nach einer kurzen, aber erholsamen Nacht starteten wir mit Sonnenschein und einer liebevoll gepackten Lunchtüte unserer Gastgeber in Richtung Polen und schließlich zum Hafen. Unser heutiges Ziel: Skandinavien! Die Fähre von Swinemünde nach Ystad in Schweden wartete schon.

Die ersten 130 Kilometer der Tagesetappe führten uns über flaches Terrain, begleitet von bestem Wetter, das uns ein angenehmes Vorankommen ermöglichte. Schon bald überquerten wir die Grenze zu unserem fünften Land auf dieser Reise: Polen. Unterwegs trafen wir auf Fabio, mit dem wir gemeinsam bis zum Fährhafen weiterfuhren. Nach einem kurzen Stopp an einer Apotheke erreichten wir schließlich den Hafen, wo wir zusammen mit anderen Teilnehmern auf die Fähre rollten.

Vor uns lag eine etwa siebenstündige Überfahrt. Unsere Fahrräder verstauten wir zwischen Autos und Lastwagen, dann machten wir uns auf den Weg zum Deck. Für die Überfahrt hatten wir eine Kabine gebucht. Nach einer wohltuenden Dusche ließen wir uns im Bordrestaurant nieder und genossen das erste warme Essen im Sitzen und in aller Ruhe seit Rovereto. Gut gestärkt folgte ein erholsamer Mittagsschlaf in der Kabine.

Die Überfahrt verlief ruhig und bot Gelegenheit zur Regeneration. Gegen 19:00 Uhr erreichten wir das schwedische Festland. Nach dem Verlassen der Fähre machten wir uns durch Ystad auf die Suche nach einem Supermarkt – eine kleine Herausforderung angesichts der neuen Produkte, der fremden Sprache und der ungewohnten Währung. Schließlich fanden wir, gut ausgestattet mit schwedischen Köstlichkeiten, den Weg zurück auf die Strecke in Richtung Unterkunft.

Noch etwa 65 Kilometer lagen vor uns, bevor wir das Hostel erreichten. Kurz vor dem Ziel mussten wir noch einen Geldautomaten finden, um die in Schweden üblichen Zusatzkosten für Bettwäsche und Handtücher bar zu begleichen. Dank moderner Navigation fanden wir rasch einen passenden Automaten.

Im Hostel angekommen, erwartete uns eine einfache, aber saubere Unterkunft mit Dusche und Toilette auf dem Flur sowie zwei gemütlichen Betten – genau das Richtige für Bikepacker wie uns. Nach einer Dusche und einer kleinen Mahlzeit war es auch schon Zeit, ins Bett zu gehen, denn am nächsten Tag standen erneut über 300 Kilometer auf dem Programm. Das Ziel: Gränna und damit das Erreichen von Gate Nummer drei.